26. August. 2010

| 2010-08-26 19:33:16

Lautlos gleiten wir mit „Michael Theodor“ – unserem Dinghy – durch das zähfliessende Wasser des Rio Necuesa.

Wir haben den Motor ausgeschaltet und paddeln durch den Urwaldfluss am panamaischen Festland.
Die Geräuschkulisse ist sagenhaft.
Allerdings bekommt man von ihren Verursachern, den Papageien, Affen usw. kaum etwas zu sehen. Auch von den Krokodilen, die hier im Fluss leben, sieht man nur die aufsteigenden Luftblasen in den trüben Fluten. Mangrovenbäume mit gigantischem Wurzelwerk, Luftwurzeln die aus dem Himmel nach unten zu wachsen scheinen. Die unglaubliche Vegetation und der betörende Duft des Dschungels verzaubern uns.
Bis auf ein paar Indianer, die uns in einem Einbaum entgegenkommen, gab es keinerlei Hinweis auf menschliches Leben.

So ähnlich müssen sich die Konquistadoren vor Jahrhunderten auf der Suche nach Eldorado gefühlt haben (außer dass diese in ihrer Gier, die entgegenkommenden Indianer sofort christianisiert, umgebracht oder versklavt hätten).

Wir haben mit Odin nahe am Mangrovenufer des Waldes geankert um jede Nacht das spektakuläre Urwaldkonzert so intensiv wie möglich zu erleben. Ein Konzert, aufgeführt seit Jahrtausenden – ein wahrer Dauerbrenner und wir sind die einzigen Gäste. Fantastisch!

 

17. August 2010

| 2010-08-17 01:51:01

JUHUUUUU – wir beschließen wir haben Urlaub.
Für ein paar Tage gönnen wir uns den Luxus unsere täglich anfallenden Pflichten an Bord zu vernachlässigen. Reparaturen sowie Instandsetzungsarbeiten aufzuschieben und uns einfach nur um uns selbst zu kümmern und zu faulenzen.
Wir sind in den Hollandes Cays, einem unbewohnten Archipel innerhalb der San Blas Inseln. Mein Gott, was sind wir faul zur Zeit.
Wir sind sogar zu faul zum Texte schreiben ;o)
Aber solltet ihr jemals die Gelegenheit haben, diesen zauberhaften Ort zu besuchen, an dem die Zeit stehen zu bleiben scheint – dann nutzt sie.

 

09. August 2010

| 2010-08-09 22:20:55

Segeln bedeutet für uns nicht nur das Entdecken von Ländern und Orten die man als Pauschal-Tourist nie kennenlernen würde, es bedeutet auch gleichgesinnte mit der Liebe und der Sehnsucht zum Meer zu treffen, deren Vorgeschichte oftmals Stoff für einen Roman wäre.

Kevin aus Kanada ist so ein Typ.
Eines Tages wachte er auf und hatte seinen Alltagstrott satt. Er kündigte seinen Job und seine Wohnung, hob alles Geld von der Bank ab (was nicht sehr viel war) und reiste als Backpacker durch Südamerika.
Ob als Straßenmusiker, Computer-, Motoren oder Sonstiges-Reparierer, irgendwie kam er immer wieder zu Geld.
Durch Zufall fand er eine 40 Jahre alte, kleine und verrostete Stahlyacht und von da an beschloss er zu segeln.
Ohne jegliche Vorkenntnisse aber mit mehr Glück als Verstand, brachte er sich alles im harten Selbsttraining bei.
Zwei Entmastungen, eine Riffstrandung aus der ihn andere Segler retteten, zählten unter anderem zu den „Ausbildungs-Abenteuern“.
Kevin besitzt kaum mehr Geld, fängt Fische und Langusten, erledigt für ein paar Dollar Arbeiten auf anderen Schiffen oder schippert Backpacker durch die Gegend. Ansonsten lebt er nach dem Motto „Morgens ein Joint und der Tag ist dein Freund“.
Er könnte jederzeit zurück nach Kanada und wieder einen gut dotierten Job in der Computer-Branche annehmen. Will er aber nicht, er fragt sich – wozu?
Er ist beneidenswert glücklich mit seinem alten Schiffchen und genießt jeden Tag hier im Paradies.

 

05. August 2010

| 2010-08-05 18:10:20

Langsam aber sicher fing unser Beiboot an, sich in der Tropischen Sonne in seine Bestandteile aufzulösen.
Es war dringend Zeit für ein neues!
Aus Panama City haben wir uns ein funkelnagelneues Hyperlon Dingi von AB mit Aluboden kommen nach Porto Belo lassen. Kostenpunkt schlappe 3000 US Dollar!
(Einen neuen Motor hatten wir ja bereits in Curacao gekauft).
So ein neues Dingi ist wie ein Familienzuwachs, für den „Onkel Mike“ dann auch spontan die Patenschaft übernahm ;o)

Mit dem neuen Teil ging es dann mit perfektem Wind Kurs Osten, zu einem der absoluten Paradiese unseres wundervollen blauen Planeten.

Wir sind alle drei total aus dem Häuschen, als wir die unglaublich schönen Inseln des San Blas Archipels vorm Bug haben.

Jede der über hundert Inseln und Inselchen, mit ihren weißen Sandstränden, ist über und über mit Kokospalmen bewachsen.
Im Schatten dieser Palmen haben die letzten Indianer, die letzten Ureinwohner der Karibik ihre palmgedeckten Hütten und leben ihre Traditionen fast unberührt von den „Segnungen“ der Zivilisation.
Mit wunderschönen Stickereien, den sogenannten Molas, an denen sie oft Monate sitzen, verdienen sich die kleinen Indianer, deren Durchschnittsgröße bei ca. 145 cm liegt einige Dollar.
Sie verkaufen diese an durchfahrende Yachten, ohne so aufdringlich zu sein, wie wir es auf den karibischen Inseln der West- Indies so oft erlebt haben.
Klein aber Stolz ;o)

Auch andere Segler die wir hier im Archipel treffen sind begeistert.Viele hängen hier schon seit Monaten herum, oder kamen zurück nach Kuna Yala, ins Kuna-Land.

Wie gesagt, auch wir sind total hin und weg!

Apropos weg:
Mike ist heute früh von einer „Dschungelpiste“ aus mit einem kleinen Flugzeug in Richtung Panama City gestartet, denn seine Zeit an Bord der Odin ist vorbei.

Er sagt, er hätte in den etwas mehr als zwei Wochen seine „neue Mitte“ gefunden und sehe das Leben jetzt mit anderen Augen.

Wir glauben es ihm!

PS. Für unsere Freunde hier unsre neue Telefonnummer in Panama: (507) 604 53955

 

28. Juli 2010

| 2010-07-29 01:19:53

Zwei Tage Einsamkeit in den Cayos de Albuquerque reichten aus, uns vom „Zivilisations-Stress“ in San Andres zu erholen.
Wunderschönes Tauchen und Schnorcheln in einer intakten Korallenwelt, die uns aber beim Ein-, und Auslaufen, wegen nicht vorhandener Detailkarten, ganz schön ins Schwitzen brachte.
Bei traumhaften 15 Knoten segelten wir am Wind in Richtung Panama.
Bereits in der ersten Stunde unter Segel hat sich ein wunderschöner Thunfisch zum Abendessen eingeladen.
Bis hierhin war alles perfekt.
Doch dann drehte der Wind des öfteren und auch die Strömung kam aus der falschen Richtung.
So mussten wir gleich am ersten Tag dreimal unser Ziel ändern.
Dann schlief nach ca. 7 Stunden der Wind komplett ein und nur die hohe Dünung erinnerte daran wie schön er vorher wehte.
Die meterhohe Dünung lies Odin unter Motor von einer Seite auf die andere schlagen.
Mike, der sich in den Tagen zuvor fast als Alleinunterhalter hervorgetan hat, verzog sich stillschweigend und blass in seine Kajüte und wart nicht mehr gesehen.( Dies konnte ihn aber nicht von seiner Pflicht an der Nachtwache befreien, zu welcher wir ihn aus seiner Koje gezogen haben.)
Fast 50 Stunden fuhren wir nonstop unter Motor - alles in Allem keine schöne Überfahrt.

Aber um so schöner war das Ankommen in der Bucht, in die uns die Planänderung geführt hat.
Portobelo – dieses wunderschöne Fleckchen Erde wurde 1502 von Columbus entdeckt.
Von da an war ihre Geschichte wechselhaft und blutig.
Goldgierige Conquistatoren und Seeräubern wie Captain Morgan oder Sir Francis Drake trieben hier ihr blutiges Unwesen .
Überall überwucherte Festungen und alte Kanonen, stumme Zeugen der blutigen Vergangenheit und bestimmt ein idealer Drehort für Hollywoodfilme.
Im Dschungel hinter den Festungsanlagen beanspruchen Brüllaffen lautstark ihr Revier und bunte Papageien fliegen von Baum zu Baum.
Die Luft erbricht sich fast vor Fruchtbarkeit, mehrmals täglich regnet es leicht und uns dreien – uts, Mike und mir – kommt ein Buchtitel von Janosch in den Sinn „Ach wie wie schön ist Panama“.